Eine Farbe-Color Hunt
Eine Farbe-Color Hunt-Audioblog
Eine Farbe – Color Hunt
Ich war eigentlich gar nicht “auf Motivsuche”. Nur kurz raus, Kopf lüften, vielleicht einen Kaffee holen. Kamera dabei – wie so oft. Und dann passiert dieses kleine, lächerlich simple Ding, das mich jedes Mal wieder überrascht: Ich sehe Rot.
Nicht “rot” als Eigenschaft von irgendwas, sondern Rot als Ereignis. Ein Fleck in der grauen Stadt, ein Signal im Augenwinkel. Eine Jacke. Ein Aufkleber. Eine Ampel. Und plötzlich macht mein Spaziergang eine Kurve. Nicht auf der Karte, sondern im Kopf.
Das ist die Idee hinter Color Hunt: Du gibst dir eine einzige Regel – eine Farbe – und lässt sie für ein paar Tage oder Wochen bestimmen, was du siehst.
Der Moment, in dem sich dein Blick umschaltet
Am Anfang ist es fast peinlich. Du denkst: Okay, ich suche jetzt Rot. Klingt nach Grundschule.
Dann gehst du los – und merkst nach fünf Minuten: Du findest Rot nicht. Oder du findest es überall, aber es ist belanglos.
Und genau da beginnt das Projekt zu wirken.
Denn plötzlich stellst du nicht mehr die große Frage “Was fotografiere ich?”, sondern eine viel kleinere, konkretere:
Wo versteckt sich meine Farbe – und was macht sie mit der Szene?
Das ist wie ein kleiner Schalter im Gehirn. Dein Blick wird selektiv. Du scannst Schaufenster, Straßenschilder, Menschen, Reflexionen. Und vor allem: Du fängst an, Dinge zu bemerken, die vorher einfach “Hintergrund” waren.
Tag 1: Rot ist laut
Mein erstes Foto war – natürlich – die sichere Nummer. Eine rote Tür, ziemlich groß, ziemlich eindeutig. Ich hab ausgelöst und dachte: Okay. Projekt gestartet.
Aber das Bild hatte ein Problem: Es war richtig, aber nicht spannend. Rot war da, ja. Aber es hat nichts erzählt. Es war nur Rot.
Also bin ich weiter.
Tag 2: Rot als Störung
Am nächsten Tag war das Rot kein Motiv, sondern eine Störung im Bild: Ein rotes Flatterband an einer Baustelle, das im Wind genau dort hing, wo ich eigentlich die saubere Linienführung der Fassade fotografieren wollte.
Und ich merkte: Ah.
Rot kann nicht nur “schön” sein. Rot kann unterbrechen, warnen, ziehen, nerven. Rot ist emotional, selbst wenn es nur ein Stück Plastik ist.
Das Foto war nicht perfekt – aber es hatte das erste Mal diesen kleinen Kick: Das erzählt was.
Tag 3: Rot verschwindet im Schatten
Dann kam ein Abend mit schlechtem Licht. Plötzlich war Rot nicht mehr laut, sondern gedämpft. Die gleiche Farbe, aber ein völlig anderer Ton. Und ich stand da und dachte: Krass – ich suche nicht nur Rot, ich suche Licht, ohne es zu merken.
Das ist der heimliche Nebeneffekt dieses Projekts: Du glaubst, du übst “Farbe”, aber du trainierst eigentlich Sehen.
Die Regel, die alles besser macht
Irgendwann habe ich mir eine einfache Zusatzregel gegeben:
Die Farbe muss entweder mindestens ein Drittel des Bildes füllen
oder sie muss so klar der Blickfang sein, dass du sie nicht übersehen kannst.
Denn sonst passiert das, was ich anfangs dauernd gemacht habe: “Oh, da ist irgendwo rot, klick.”
Das sind Beweisfotos, keine Bilder.
Mit der Regel musst du entscheiden: Ist Rot hier wirklich der Hauptdarsteller?
Und wenn nicht – weitergehen.
Wie du die Jagd spannend hältst (wenn du denkst, du hast schon alles)
Nach ein paar Tagen kommt die zweite Phase: Du hast rote Türen, rote Schilder, rote Autos. Du fühlst dich, als würdest du dich wiederholen.
Dann hilft ein Trick: Du wechselst nicht die Farbe – du wechselst die Aufgabe.
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Rot als Fläche (groß, klar, grafisch)
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Rot als Akzent (klein, aber dominant im Umfeld)
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Rot als Textur (Rost, Lack, Stoff, Neon)
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Rot bei Nacht (Kunstlicht, Reflexionen, Schaufenster)
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Rot in Spiegelungen (Pfützen, Glas, Metall)
Auf einmal ist es wieder frisch. Nicht, weil du neue Motive hast – sondern weil du neu schaust.
Warum das perfekt für einen Audio-Blog ist
Jede Color-Hunt-Session liefert dir automatisch eine Geschichte, weil du immer drei Dinge hast:
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Die Suche: Wo warst du? Was hast du erwartet?
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Das Finden: Was war die Überraschung – das Rot, das dich “gekriegt” hat?
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Die Entscheidung: Warum dieses Bild? Warum nicht das andere?
Und am Ende jeder Folge kannst du ein kleines Ritual draus machen:
ein Satz, den du gelernt hast.
Zum Beispiel:
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“Heute war Rot nicht laut, sondern müde.”
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“Heute war Rot nur dann interessant, wenn es gestört hat.”
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“Heute war Rot eigentlich nur ein Vorwand, um Schatten zu sehen.”
Mini-Start: 7 Tage, eine Farbe
Wenn du sofort loslegen willst, nimm eine Woche:
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Tag 1: Große Farbflächen
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Tag 2: Kleine Akzente in neutraler Umgebung
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Tag 3: Nacht / Kunstlicht
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Tag 4: Spiegelungen
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Tag 5: Menschen (Kleidung, Accessoires)
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Tag 6: Texturen
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Tag 7: Best-of + 3 Learnings
Das eigentliche Ziel
Am Ende geht’s nicht darum, dass du “Rot fotografiert” hast.
Es geht darum, dass du gemerkt hast:
Du brauchst nicht mehr Ideen.
Du brauchst eine klare Frage.
Und eine Farbe ist eine verdammt gute Frage
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